• lupes

Windfakten statt Mythen

News vom 28.07.2026

Um Windenergie ranken sich viele Mythen und Falschinformationen. Dabei ist die Windstromerzeugung nicht nur klimafreundlich, sondern auch kostengünstig und inzwischen Deutschlands wichtigste Energiequelle. Unser Faktencheck zeigt, wie Sie gängige Mythen widerlegen können – sei es auf dem Campingplatz, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft.

Mythos 1: Windenergie kann die Stromversorgung nicht sichern. Das soll sie auch nicht, zumindest nicht im Alleingang: Es ist der Mix aus verschiedenen Energieträgern, der zusammen mit Speichertechnologien, intelligenten Netzen und dem europäischen Stromhandel unsere Versorgung sichert. Dabei steigt der Ökostromanteil im Zuge der Energiewende kontinuierlich an: Im ersten Halbjahr 2026 stammten bereits 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Energien. Windkraft war mit einem Anteil von 30 Prozent die mit Abstand wichtigste Energiequelle, gefolgt von Photovoltaik mit 19,3 Prozent und Braunkohle mit 14,8 Prozent.

Mythos 2: Die Anlagen stehen immer still. Dann könnten sie nicht 30 Prozent des deutschen Stroms produzieren. Es gibt allerdings Gründe für eine zeitweilige Abschaltung der Turbinen. Dazu zählen Reparaturen und Wartungsarbeiten oder der Schutz von Vögeln und Fledermäusen zu bestimmten Flug- und Brutzeiten. Auch die drohende Überlastung der Netze bei zu hoher Stromeinspeisung kann vorübergehend zur Abschaltung führen. Dagegen helfen ein zügiger Netzausbau und mehr Batteriespeicher, die den überschüssigen Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen können.

Mythos 3: Windstrom ist (zu) teuer. Windparks an Land und Solarparks sind inzwischen die günstigsten Erzeugungstechnologie in Deutschland, und zwar nicht nur unter den Erneuerbaren, sondern unter allen Kraftwerksarten. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme bezifferte die Stromgestehungskosten für beide Technologien 2024 auf 4,1 bis 9,2 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Für flexible Gaskraftwerke waren es 15,4 bis 32,6 Cent; wurde bei einer Gasturbine die spätere Umstellung auf Wasserstoff eingeplant, lagen die Kosten bei 20,4 bis 35,6 Cent.

Mythos 4: Die Anlagen verseuchen Böden mit Mikroplastik. Klingt dramatisch, stimmt aber nicht. Zwar bestehen die Rotorblätter aus Kunststoffverbundmaterialien und es kann hier durch Wind und Regen zu Erosion kommen. Der Abrieb ist allerdings gering. Neuere Studien gehen von weniger als drei Kilogramm pro Jahr und Anlage aus, wie der Bundesverband Windenergie berichtet; hochgerechnet auf alle 29.226 Onshore-Windräder in Deutschland (Stand: Ende 2025) sind das jährlich knapp 88 Tonnen. Zum Vergleich: Durch Reifen entstehen jedes Jahr 102.090 Tonnen Abrieb, durch Schuhsohlen 9.047 Tonnen.

Mythos 5: Infraschall von Windrädern macht krank. Richtig ist: Die Anlagen verursachen neben hörbarem Schall auch Infraschall. Dieser ist aber so gering, dass er schon in einer Entfernung von wenigen hundert Metern zur Anlage unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegt. Das haben unter anderem Untersuchungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ergeben. Eine große Diskrepanz bestand laut Fachagentur Wind und Solar allerdings bis 2021 zu den Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Diese hatte die Infraschallbelastung durch Windkraft aufgrund eines Rechenfehlers um das 4.000-Fache überschätzt. Der Fehler ist zwar längst eingeräumt, der Mythos vom hohen Infraschall durch Windenergie hält sich aber hartnäckig. Einen wissenschaftlichen Nachweis über die schädliche Wirkung gibt es bis heute nicht.

Mythos 6: Windräder töten massenhaft Vögel. Tatsächlich könnenvor allem größere Vogelarten mit den Anlagen kollidieren. Deshalb sind zunächst Fragen des Natur- und Artenschutzes zu klären, bevor ein Windpark gebaut werden darf. Dass trotz bestehender Schutzmaßnahmen etwa 100.000 Tiere pro Jahr in Deutschland durch die Anlagen zu Schaden kommen, ist tragisch und muss weiter erforscht werden. Man sollte diese Zahl jedoch ins Verhältnis setzen: Dem Naturschutzbund Deutschland zufolge sterben jedes Jahr bis zu 115 Millionen Vögel bei Kollisionen mit Glasscheiben und etwa 70 Millionen im Straßen- und Bahnverkehr. Und vor allem intensive Landwirtschaft und Klimawandel haben Folgen für die Tiere. Hier kann Windkraft sogar ein Stück weit gegensteuern, ersetzt sie doch klimaschädliche Energieträger und trägt mit ökologischen Ausgleichsmaßnahmen zum Entstehen neuer Biotope und Lebensräume für bedrohte Arten bei.

Mythos 7:Windparks zerstören den deutschen Wald. »Was umgangssprachlich als ›Wind im Wald‹ betitelt wird, ist mit ›Windenergie auf forstwirtschaftlichen Nutzflächen‹ deutlich besser umschrieben«, so der Bundesverband Windenergie. Denn Gebiete mit wertvollen Laub- und Mischwäldern oder Schutzgebiete von hohem ökologischem Wert sind von der Nutzung durch Windkraft ausgeschlossen. Laut Fachagentur Wind und Solar wird pro Anlage etwa ein halber Hektar Fläche benötigt, auf dem während des Betriebs keine Bäume wachsen dürfen. Dafür müssen die Betreiber an anderer Stelle Ausgleich schaffen, zum Beispiel durch Aufforstungen oder die Aufwertung bestehender Wälder. Auch Kahlflächen, die durch Dürre, Sturm oder Schädlinge entstanden sind, lassen sich für die Windstrom­erzeugung nutzen. In dem Fall müssen gar keine Bäume für die Anlagen gefällt werden.