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Wertschöpfung: Milliardenpotenzial durch Wind und Solar

News vom 28.07.2026

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt: Erneuerbare Energien sind nicht nur klimapolitisch von Bedeutung, sie sind auch ein zentraler Faktor für regionale Wertschöpfung, Beschäftigung und kommunale Entwicklung. Bis 2033 könnten sich die Einnahmen aus Wind- und Solarenergie in den Regionen mehr als verdoppeln, wenn Deutschland seine Ausbauziele erreicht.

Erneuerbare Energien sind mehr als eine Investition in den Klimaschutz. Ihr Ausbau eröffnet Städten und Landkreisen auch große wirtschaftliche Chancen. Allein durch Planung, Bau und Betrieb von Windkraft an Land, Photovoltaik auf Freiflächen und auf dem Dach kamen 2023 bundesweit rund zehn Milliarden Euro an direkter Wertschöpfung zustande. Davon verblieben bis zu 55 Prozent in den Standortregionen, etwa in Form von kommunalen Steuereinnahmen, Pachtzahlungen oder dem Einkommen von Beschäftigten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie »Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien«, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) gemeinsam durchgeführt haben.

Den Forschenden zufolge kann sich der Teil der Wertschöpfung, der tatsächlich in den Regionen verbleibt, bis 2033 sogar mehr als verdoppeln – von 5,5 Milliarden Euro in 2023 auf dann 12,4 Milliarden Euro pro Jahr. Voraussetzung dafür ist, dass Deutschland seine Ausbauziele für Onshore-Windkraft und Photovoltaik wie geplant erreicht. Durch Bau und Betrieb der Anlagen steigt in diesem Szenario auch die Beschäftigung deutlich an – von rund 51.000 Vollzeitarbeitsplätzen im Jahr 2023 auf 101.600 im Jahr 2033; etwa ein Fünftel davon entsteht direkt in den Standortregionen. Das zeigen die drei Institute mithilfe von Modellrechnungen für alle rund 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte sowie mit Analysen ausgewählter Praxisbeispiele. »Überall in Deutschland gibt es bereits Pionierregionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur unterstützen, sondern als strategischen Hebel für ihre eigene Entwicklung nutzen«, sagt Dr. Frederick Sixtus vom Berlin-Institut. »Diese Vorbilder zeigen, was möglich ist.«

Besonders ländliche Regionen, die über große Flächen verfügen, profitieren von der lokalen Stromerzeugung. Allerdings fließen auch rund 45 Prozent der Wertschöpfung aus den Standortregionen ab, weil gerade die großen Anlagen oft externen Investoren gehören, die nicht vor Ort ansässig sind. »Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergie­gesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohner:innen von der Energiewende profitieren«, meint Dr. Steven Salecki vom IÖW. Das könne außerdem die Akzeptanz erhöhen.

In Vorreiterregionen gingen der Analyse zufolge bereits bis zu zehn Prozent des Wirtschaftswachstums der vergangenen zehn Jahre auf den Ausbau der Grünstrom-Infrastruktur zurück. Ein Beispiel dafür ist die Ansiedelung technischer Dienstleister, die sich bevorzugt dort niederlassen, wo viele Anlagen entstehen. Zudem ist ein hoher Grünstromanteil ein immer wichtigeres Standortkriterium für Unternehmen, die auf Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Strompreise angewiesen sind.

In den kommunalen Haushalten der untersuchten Praxisbeispiele schaffen Einnahmen aus Gewerbesteuern, Pachtzahlungen, Beteiligungen an Betreibergesellschaften oder Zahlungen nach dem EEG neue finanzielle Spielräume, etwa für eine beschleunigte Breitband­versorgung oder eine bessere Kinderbetreuung. »Der Ausbau erneuerbarer Energien kann vor Ort nicht nur wirtschaftliche Impulse setzen, sondern kommt auch der Stadtkasse zugute, sodass alle Bürger:innen direkt von moderner Infrastruktur profitieren«, betont Dr. Tillman Hönig von IW Consult.

Damit mehr Geld in den Standortregionen bleibt, empfehlen die Forschenden Bund und Ländern, Kommunen gezielt über regionalwirtschaftlichen Möglichkeiten zu beraten, zum Beispiel durch besser aufgestellte regionale Energieagenturen. Außerdem sollten Beteiligun­gen vereinfacht und Förderprogramme stärker auf regionale Wertschöpfung ausgerichtet werden. Denn die Energiewende bietet für Kommunen und Bevölkerung vielfältige Chancen weit über die Reduktion von Treibhausgasen hinaus. Diese gilt es, konsequent zu nutzen.