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Grünes Licht für EU-Klimaziel 2040

News vom 30.03.2026

»Die Europäische Union ist nach wie vor entschlossen, bei der weltweiten Bekämpfung des Klimawandels eine Führungsrolle zu übernehmen.« Davon ist Maria Panayiotou, die zyprische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin, überzeugt. Ihr Land hat derzeit den Vorsitz im Europäischen Rat inne, der die Novelle des Europäischen Klimagesetzes mit dem neuen Zwischenziel am 5. März final beschlossen hat. »Die heutige Annahme des wegweisenden Klimaziels für 2040 wird der Industrie, den Bürgerinnen und Bürgern sowie Investoren die Sicherheit geben, die sie für die Energiewende in den nächsten zehn Jahren brauchen«, so Maria Panayiotou nach der Verabschiedung der Novelle.

Konkret sollen die Treibhausgasemissionen des Staatenbundes bis 2040 um 90 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 sinken. Damit hat sich die EU auf ein weiteres Zwischenziel geeinigt, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen – also nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als etwa durch Wälder oder Moore wieder gebunden werden können. Bis Ende 2024 waren die Emissionen um mittlerweile 37 Prozent zurückgegangen, bis 2030 sollen es 55 Prozent sein. Allerdings sind die Minderungen bislang ausschließlich innerhalb der EU zu erbringen. Für das neue 2040er-Ziel dürfen dagegen erstmals auch »hochwertige internationale Gutschriften« für die Förderung von Klimaschutzprojekten außerhalb der EU angerechnet werden: Bis zu fünf Prozentpunkte des 2040er-Ziels sind ab dem Jahr 2036 erlaubt – vorausgesetzt, die Gutschriften stammen aus Partnerländern, deren Klimaziele und -politik mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind.

Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider ist sich sicher, dass der Klimabeschluss Europa stärken werde: »Die aktuelle Weltlage zeigt uns: Wer es schafft, weniger Öl und Gas zu verbrauchen, ist klar im Vorteil.« Deutschland zahle jedes Jahr Milliarden Euro an andere Staaten für Importe von fossilen Energieträgern. Europa werde dieses Geld Schritt für Schritt sparen und in die heimische Energiewende, in Wertschöpfung und Arbeitsplätze investieren. Zudem weist der Minister auf die enge Verzahnung der deutschen und europäischen Klimaziele hin: »Das 2040-Klimaziel der EU gibt unserer Wirtschaft langfristig Wettbewerbsgleichheit und Rückenwind. Denn der gesamte EU-Binnenmarkt wird so zum Treiber für neue Technologien, in denen die deutsche Industrie stark ist.«

Der Europäische Wissenschaftliche Beirat zum Klimawandel mahnt unterdessen bereits eine Strategie zur Klimaanpassung an. Mit ihr sollen sich die EU-Länder auf erwartbar höhere Temperaturen vorbereiten. Denn der europäische Kontinent erwärmt sich schneller als andere Teile der Erde: Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um ungefähr 1,4 Grad Celsius gestiegen ist, liegt Europa etwa ein Grad darüber. Schwere Verluste, zum Beispiel durch Waldbrände, Dürren oder Überschwemmungen, sind die Folge.

So habe allein extreme Hitze in den letzten Jahren zu Zehntausenden vorzeitigen Todesfällen geführt, darunter geschätzte 24.000 im Sommer 2025; die wirtschaftlichen Schäden an Infrastrukturen und Sachanlagen beliefen sich inzwischen auf durchschnittlich rund 45 Milliarden Euro pro Jahr, berichtet Professor Ottmar Edenhofer, der Vorsitzende des EU-Klimabeirats. »Diese zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels verdeutlichen, dass die Stärkung der Klimaanpassung keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist, um Menschenleben, Existenzgrundlagen und Europas wirtschaftliche Grundlagen zu schützen.«

Der EU empfiehlt der Beirat deshalb, sich auf eine globale Erwärmung von 2,8 bis 3,3 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 vorzubereiten – für den europäischen Kontinent hieße das einen Anstieg um etwa vier Grad über dem vorindustriellen Niveau. Dazu sollten die Mitgliedsländer einen EU-weit einheitlichen Rahmen entwickeln, um den zu erwartenden Klimarisiken gemeinsam begegnen zu können. Geeignete Maßnahmen wären zum Beispiel die Einführung messbarer Anpassungsziele und verbindlicher Bewertungen von Klimarisiken in allen Ländern und EU-Politikbereichen sowie die Mobilisierung von Investitionen.

Noch in diesem Jahr will die EU einen solchen »Rahmen für Klimaresilienz« vorlegen, der die Gesundheit und das Wohlergehen aller Europäer:innen schützen soll. Damit würde sie dem Klimawandel zukünftig von zwei Seiten begegnen: mit der Reduktion der Treibhausgase, um die Klimarisiken zu begrenzen, und mit einer verstärkten Klimaanpassung, um mit den Risiken besser leben zu können.