
Die Energiewende erfährt in Deutschland großen Rückhalt. Das zeigt die alljährliche Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) auch in der aktuellen Auflage von Ende 2025: 81 Prozent der Befragten halten den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und anderen Formen regenerativer Energieerzeugung für »wichtig« beziehungsweise »sehr oder außerordentlich wichtig«. Im Vorjahr lag der Wert bei 80 Prozent. »Die gleichbleibend hohe Zustimmung zeigt: Die Energiewende ist im Alltag vieler Menschen angekommen«, kommentiert die AEE das Ergebnis. »Das Bewusstsein für Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit wächst.« Auch energiepolitische Debatten, etwa im Umfeld der Bundestagswahl 2025, scheinen sich nicht negativ auf die Akzeptanz ausgewirkt zu haben – ein Zeichen, dass die Bevölkerung hinter dem Umbau des Energiesystems steht.
Mit dem Ausbau der Solar- und Windenergie nimmt die Sichtbarkeit der Energiewende im Alltag weiter zu: Immer mehr Menschen kennen Erneuerbare-Energie-Anlagen aus ihrer Umgebung. Auf die Frage, wie sie solche Anlagen zur Stromversorgung der Nachbarschaft im eigenen Wohnumfeld bewerten würden, antworten 60 Prozent der Teilnehmenden mit »eher gut« oder »sehr gut« – ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Bei Menschen, die bereits Erfahrungen mit Anlagen im Wohnumfeld gemacht haben, steigt die Zustimmung auf 70 Prozent – ein Trend, den die AEE in den vergangenen Jahren immer wieder beobachtet hat. Nähe fördert offenbar das Verständnis für die dezentrale Energieerzeugung.
Besonders hohe Sympathiewerte unter allen Befragten erreichen Solardächer (80 Prozent) und Balkonsolaranlagen (69 Prozent), die viele aus der Nachbarschaft kennen. Einem Solarpark stünden 58 Prozent positiv gegenüber; Windräder, die durch ihre Höhe besonders sichtbar sind, würden 46 Prozent auch im Fünf-Kilometer-Wohnumfeld befürworten – ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Konventionelle Energien verlieren dagegen laut AEE an Zustimmung: Für Gas sprechen sich noch 19 Prozent der Teilnehmenden aus, für Atomkraft 18 Prozent und für Kohle 12 Prozent.
Entscheidend für die Akzeptanz der Energiewende ist neben den eigenen Erfahrungen aber auch die Beteiligung der Menschen vor Ort. Das macht die Umfrage am Beispiel der Windenergie deutlich: 53 Prozent der Befragten stehen dem Ausbau positiver gegenüber, wenn die mit dem Ökostrom erzielten Einnahmen kommunalen Projekten zugutekommen, etwa dem Bau eines neuen Spielplatzes oder der Anschaffung einer modernen Straßenbeleuchtung. Das schafft lokale Wertschöpfung und sichtbare Vorteile. Dabei gilt: Eine offene und faktenbasierte Kommunikation aller Verantwortlichen über die Vorzüge des Projekts stärkt das Vertrauen in die Energiewende – 56 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage »eher« oder »voll und ganz« zu.
Zudem dürfte die frühzeitige Information manchen Konflikt verhindern. Denn, so AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt, die Energiewende genieße zwar breite Unterstützung, doch Akzeptanz entstehe nicht automatisch: »Entscheidend ist, dass Menschen den Wandel vor Ort nachvollziehen, mitgestalten und von ihm profitieren können.« Dann werde die Energiewende zu einem gemeinsamen Projekt, das dauerhaft trägt.