
Deutschlands Strom wird immer grüner: Rund 61 Prozent des bundesweiten Verbrauchs stammten in den ersten drei Quartalen des Jahres bereits aus erneuerbaren Quellen – ein neuer Rekord, wie erste Berechnungen zeigen. Die Solarstromproduktion übertraf sogar schon Ende September das Niveau des gesamten Vorjahres, auch das ein neuer Spitzenwert.
Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix hat in den ersten drei Quartalen ein neues Rekordhoch erreicht: Windenergie, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft deckten von Januar bis September stolze 60,7 Prozent des bundesweiten Stromverbrauchs. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von vier Prozentpunkten – und das, während der Stromverbrauch zeitgleich um 1,6 Prozent gestiegen ist. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Berechnungen des Zentrums für Sonnenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Insgesamt stieg die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen in den ersten drei Quartalen um 8,7 Prozent auf 237,5 Milliarden Kilowattstunden.
Vor allem Wind- und Solarstrom legten kräftig zu, angetrieben vom fortschreitenden Ausbau der Anlagen, günstigen Windverhältnissen und vielen Sonnenstunden. Nach Ausbruch des Irankriegs Ende Februar kam das vor allem den Strompreisen zugute: Während die Kosten für Diesel, Benzin oder Erdgas in die Höhe schnellten, drückte der hohe Ökostromanteil an der Strombörse den Preis. Denn mit ihren niedrigen Gestehungskosten drängten die Erneuerbaren ab März verstärkt Gaskraftwerke aus dem Markt, deren Stromproduktion sich durch die hohen Gaspreise verteuert hatte. »Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April 76 Prozent höher gewesen«, sagt Leonhard Gandhi, der beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE die Datenplattform Energy-Charts verantwortet.
Einen weiteren Ökostromrekord stellte schließlich die Solarenergie am 27. September auf: Bis zu diesem Tag hatte die Sonne im Jahr 2026 bereits mehr Strom geliefert als im gesamten Vorjahr, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) nach Auswertung der Energy-Charts von Fraunhofer bekannt gab. »Das ist eine Nachricht, auf die Deutschland stolz sein kann«, freut sich Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Der Bundesverband erklärte den Tag denn auch umgehend zum diesjährigen »Solar Day«.
Einen weiteren Meilenstein hatte die Solarenergie schon im August überschritten: Auf 128 Gigawattpeak war die bundesweit installierte Photovoltaikleistung zu diesem Zeitpunkt bereits angestiegen. Damit wurde das im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegte Ausbauziel für 2026 vorzeitig erreicht. »Der 128-Gigawatt-Meilenstein ist ein Erfolg«, sagt Carsten Körnig vom BSW-Solar. Doch wer daraus schließe, der Solarausbau laufe jetzt von allein, der irre: »Bis 2030 müssen noch rund 87 Gigawatt Solarleistung hinzukommen. Dafür muss das jährliche Ausbautempo steigen statt sinken.«
Für die Zukunft erwarten die Wissenschaftler:innen des ZSW einen spürbar steigenden Strombedarf – nicht zuletzt infolge des Klimawandels. So hätten sich die Verkaufszahlen für mobile Klimaanlagen in diesem Sommer verdoppelt, betont Vorstandmitglied Prof. Dr. Frithjof Staiß. Dies stelle zusätzliche Anforderung an das Stromnetz und das Lastmanagement. »Hier kann aber besonders die dezentrale Photovoltaikstromerzeugung dazu beitragen, den Strombedarf durch Klimaanlagen zu decken – unterstützt durch Batteriespeicher auch bis in die Abend- und Nachtstunden.«